Vor der Errichtung der heutigen Burg gab es bereits einen Vorgänger Bau, dessen Ausmaße und Entstehungszeit heute nicht mehr fassbar ist. Wahrscheinlich entstand er unter der Herrschaft des Bistums Regensburg. Doch belegen Scherbenfunde aus der Antike eine noch frühere Besiedelung des Felsens, auf dem später Berneck errichtet wurde. Die Anlage könnte bereits im Frühmittelalter errichtet worden sein, da der Felsen sich auf der Wegstrecke zwischen Piller und Reschen befand und deswegen von strategischer Bedeutung war. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burganlage Berneck im Jahre 1225 als ein gewisser Hegeno de Berneggo als Zeuge in Erscheinung trat. Wahrscheinlich waren die Bernecker Dienstmannen der Grafen von Ulten, wobei sie mit großer Sicherheit unter Meinhard II. zum tirolischen Dienstadel wurden. Nachdem das Geschlecht der Herrn von Berneck in männlicher Linie zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausstarb, kam die Anlage an den 2. Ehemann der letzten Tochter des letzten Berneckers, an Sigmund von Annenberg. Am 9.9. 1435 wurde der Vertraute Herzog Friedrich IV., Wilhelm von Mülinen, mit der Festung belehnt. Sofort nach der Belehnung begann von Mülinen mit dem Umbau der Anlage, sodass bereits im Jahre 1437 die Kapelle in neuem Antlitz fertig gestellt wurde. So wurden unter diesem Besitzer neben der Öffnung des Kapellenhofes, der neuen Einwölbung der Kapelle, der Errichtung einer Durchfahrt und der Abtretung des Bergfriedes auf die Höhe der Ringmauer, auch eine neue Küche über der Zisterne, ein neues Geschoß am Wohnhaus und ein repräsentatives Tor an der Westseite errichtet.

1458 ging Berneck an Hans Kripp aus Hall als Lehen, in der Folgezeit wechselte die Festung oftmals den Besitzer. Unter Kaiser Maximilian wurde im Jahre 1499 mit der Gewerkenfamilie Tänzl Burgen getauscht, welche für Berneck Schloss Tratzberg erhielten.  Dies hatte mehrere Gründe: einerseits die strategische Lage zur Schweiz, mit der sich der Kaiser in dauerndem Kriegszustand befand, andererseits war Berneck ein ideales Standort für die Jagd und Fischerei.

Für seine Leistungen im Krieg gegen Venedig erhielt im Jahre 1517 Rueland von Dieperskircher die Burghut von Berneck. Aufgrund des schlechten Bauzustands wurde Berneck im Jahre 1530 wieder als Lehen vergeben. Johann Zott, der neue Lehensmann, war als Salzmaier von Hall zu einigem Vermögen gekommen und erweiterte die Anlage um einen Wald und stattete sie im Inneren auch aus. Im Jahre 1534 erreichte er, dass das Lehen zu einem Kunkellehen gewandelt wurde, sodass auch seine Töchter erben konnten. In der Folgezeit wechselte die Burg oft den Besitzer. Die Anlage verfiel immer mehr, wobei verschiedenste Versuche sie zu renovieren nicht den gewünschten Erfolg brachten. Erst 1972 wurde die Anlage unter ihrem neuen Besitzer vollständig renoviert und teilweise wieder aufgebaut.

Bergfried:

In der ursprünglichen Burg des 13. Jahrhunderts  besaß der Bergfried nur zwei Geschosse, wie eine Untersuchung der Mauersubstanz ergab. Die zwei weiteren Geschosse wurden erst später aufgeführt. Wahrscheinlich befand sich der Bergfried teils außerhalb der Mauer und war sauberst verputzt und gefertigt. Einen Meter über dem Boden befand sich ein Eingangstor, welches durch die Umbauten von Mülinen vermauert wurde, da der Backofen an diese Stelle gesetzt wurde. Ebenso wurde in dieser Zeit im Untergeschoß ein Vorratsraum eingerichtet. Im Obergeschoß wurde ein vertäfelter Saal eingerichtet. Die heutige Form erhielt der Bau wahrscheinlich durch Kaiser Maximilian, der nach der Schlacht von Calven 1499 viele Festungen modernisieren ließ. So wurde eine Mauerkrone mit Schießscharten und ein Grabendach mit 2 Wasserdepots errichtet.

Alter Bergfried:

Der alte Bergfried besaß die Abmessungen 9x9 Meter und stand hinter einer Mauer. Durch Umbauarbeiten, welche einen Weg außerhalb der Mauern öffnen sollte, wurde die Mauer abgetragen und der „Alte Bergfried„ in die Mauer integriert. Unter Mülinen wurde der alte Bergfried auf zwei Stockwerke rückgebaut und diese mit Steinkreuzfenstern versehen.

Palas:

Zwischen dem „Alten Bergfried" und der Kapelle befand sich wahrscheinlich der ursprüngliche Palas der Festung. Dieses Gebäude wurde nicht in einer Bauphase errichtet, sonder im Laufe der Zeit immer mehr erweitert. So war auch nur das Untergeschoß gemauert und der erste Stock in Holzbauweise ausgeführt.  

Autor: Mag. Michael Fritz